„Lifestyle-Teilzeit abschaffen“ – als Florian Heuwer in den Medien Berichte mit dieser Überschrift wahrnahm, läuteten bei dem Inhaber eines Senioren- und Pflegeheims in Wedel sofort die Alarmglocken. Er befürchtete, dass die Bundesregierung die Möglichkeiten von Teilzeit-Beschäftigung derart einschränken könnte, sodass der Betrieb seines Hauses vor unüberwindlichen Schwierigkeiten steht. Sofort nahm Florian Heuwer Kontakt mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Martin Balasus auf, der nur wenige Tage später in seinem Seniorenpflegeheim vorbeischaute – und ihm die Sorgen nehmen konnte.
„Leider rauschen oft stark verkürzte oder fehlerhafte Informationen durch den Blätterwald. Der vom CDU-Wirtschaftsflügel gemachte Vorschlag zur Reform der Teilzeitarbeit wurde nicht vollständig und irreführend dargestellt. Natürlich müssen und werden Lebenssituationen der Beschäftigten – zum Beispiel Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder berufliche Weiterbildung– und Anforderungen von Branchen berücksichtigt. Und die Pflegebranche gehört ganz bestimmt dazu“, so der Abgeordnete.
Insgesamt sei es jedoch wichtig, auch über Verbesserungen beim Thema Teilzeit zu diskutieren, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Teilzeitbeschäftigte im Alter auch nur geringere Einkünfte aus den Rentenkassen zu erwarten hätten.
Martin Balasus bekam von Florian Heuwer, Pflegedienstleisterin Kirsten Heuwer und Verwaltungsleiter Tino Dlugosz einen tiefen Einblick in den Betrieb derartiger Einrichtungen. Von den rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeiten im Seniorenpflegeheim Heuwer mit 20 Kräften etwa zwei Drittel in Teilzeit. „Das ist unverzichtbar, denn zum einen könnten wir nur mit Vollzeitkräften die Betreuungszeiten gar nicht abdecken und zum anderen gibt die von den Pflegekassen vorgegebene, von der Einrichtungsgröße abhängige Stellenaufschlüsselung den Einsatz ausschließlich von Vollzeitpersonal oft gar nicht her“, so Florian Heuwer.
Wie das Heuwer-Team berichtete, haben die Teilzeitbeschäftigten in ihrem Hause gute, nachvollziehbare Gründe dafür, nicht in Vollzeit zu arbeiten. Das reiche von der Betreuung von Kindern bis zu den schwindenden Kräften älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Pflege ist ein harter Job – er kann nicht allein körperlich sehr anstrengend sein, wenn die zu betreuenden Menschen beispielsweise im Bett umgelagert werden müssen, sondern es entsteht oftmals auch eine psychisch extreme Belastung, beispielsweise durch das Verhalten von an Demenz erkrankten Personen.
Weil sich die Hausleitung dieser Probleme bewusst sei, strebe sie an, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Arbeitsleben so gut wie möglich zu erleichtern. „Dienstpläne werden gemeinsam besprochen und im Einvernehmen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kraft gesetzt“, so Florian Heuwer, „und Transparenz ist dabei sehr wichtig. Wenn es einen Personalengpass beispielsweise durch Erkrankungen gibt, stellen wir unsere Ideen vor, diese Schwierigkeiten zu beseitigen. Und wir geben zu, wenn uns keine Lösung einfällt, um Härten zu verhindern, und fragen dann auch das Team, ob es eine Lösung hat, auf die wir vielleicht nicht gekommen sind.“
Eine Idee aus dem Hause Heuwer machte da bereits bundesweit Schlagzeilen: Um die Wochenenddienste für das Personal zu vermindern, stellte das Pflegeheim an Wochenende auf 12-Stunden-Schichten um. Das hat zur Folge, dass nicht so viele unterschiedliche Kräfte an Wochenenden eingesetzt werden müssen, sondern sich in ihrer Freizeit erholen können. Von allen wird da eine längere Schicht akzeptiert, sobald sie dann doch an Wochenenden eingeteilt werden. Florian Heuwer: „Und als kleines Trostpflaster gibt es fürs Wochenend-Personal gratis Pizza – das hat sich mittlerweile zum willkommenen Ritual entwickelt.“
Martin Balasus: „Ein solch gutes, respektvolles Miteinander von Hausleitung und Team ist beispielhaft dafür, wie gerade kleine Unternehmen auf Herausforderungen reagieren können. Man muss ihnen nur die Freiheit lassen. Eine Reform der Teilzeitarbeit wird sie da eher stärken als behindern.“



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